Einleitung
Einführung in  
 Kompaktkameras
Technische Grundlagen
Vorteile der 
 Digitalfotografie
Schwarz-Weiss- 
 Digitalfotografie
Praktischer Einsatz  
 von Kompaktkameras
Erprobte Modelle
Bewertung von 
 Kompaktkameras
Einführung in  
 Spiegelreflexkameras
Vor- u. Nachteile v. 
 Spiegelreflexkameras
Adaptation von  
 Spiegelreflexkameras
Erprobung von  
 Spiegelreflexkameras
Bewertung von  
 Spiegelreflexkameras
Verwendung von  
 Elektronenblitzgeräten
Empfehlungen zur  
 Auswahl einer Kamera
Einführung in 
 Stacking-Software
Optische Steigerung 
 der Tiefenschärfe
Funktionsweise von 
 Stacking-Software
Erprobte Programme
Ergebnisse der  
 Software-Tests
Bewertung der  
 Stacking-Software
Einführung in  
 Astro-Filter
Getestete Astro-Filter
Ergebnisse  
 der Filtertests
Bewertung  
 der Astro-Filter
Einführung in  
 Ringartefakte
Beschreibung der 
 Ringartefakte
Physikalische Aspekte  
 von Ringartefakten
Schlussfolgerungen  
 über Ringartefakte
Großflächige Objekte
Literatur,  
 Quellennachweis
Eigene Publikationen 
 zur Mikroskopie
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Beschreibung der Ringartefakte

Wenn das mikroskopische Bild durch den Sucher einer digitalen Spiegelreflexkamera betrachtet wird, sind eng aufeinander folgende konzentrische Kreisringe sichtbar, welche in ihrer Anordnung an die Rillen einer Schallplatte erinnern. Diese Kreisfiguren verhalten sich unabhängig von den optischen Einstellungen konstant, d. h. sie sind bei allen Vergrößerungsstufen in gleicher Weise vorhanden.


Konstante Ringmuster im Kamerasucher, Hervorgerufen durch Mikrolinsen,
Hellfeld, Objektiv 40x, Okular 10x, Aperturblende geschlossen,
Mitte des Sucherbildes mit zentralem Autofocus-Messfeld
 

Vergrößerte Ausschnittsansicht zur Darstellung der verursachenden Mikrolinsen
 

Wird ein Winkelsucher verwendet, treten die abgebildeten Artefakte deutlicher hervor, vor allem bei maximaler Lupenvergrößerung; ein Schließen der Aperturblende erhöht deren Kontrast.

Neben diesen konstanten Artefakten zeigen sich inkonstante variable konzentrische Ringfiguren, welche aus relativ wenigen, deutlich breiteren Ringen in größerem Abstand bestehen. Diese Ringfiguren werden erst bei etwa 40-fach vergrößernden Mikroskopobjektiven sichtbar; sie treten kontrastreicher hervor, wenn in leicht schrägem Winkel durch den Kamerasucher geblickt und/oder die Aperturblende geschlossen wird.

Bei direktem Blick durch den Kamerasucher stellen sich diese Ringe relativ schwach dar. Wird mit Winkelsucher gearbeitet, treten die Ringfiguren wesentlich deutlicher hervor. Die Anzahl und Lage der Ringe verändert sich schlagartig, wenn der Schärfe- bzw. Dioptrienabgleich im Sucher/Winkelsucher nur geringfügig verändert wird. Auch ergeben sich im Detail unterschiedliche Ringanordnungen, wenn verschiedene Winkelsucher unterschiedlicher Hersteller adaptiert werden.


Variable Ringartefakte im Kamerasucher, hervorgerufen durch Interferenzen,
Hellfeld, Objektiv 40x, Okular 10x, Aperturblende geschlossen,
Leukämie, gefärbter Blutausstrich, eingebettet unter Deckglas

 

Bei Beleuchtung mit ungefiltertem Weißlicht zeigen die Interferenz-Ringe jeweils eine Farbkonturierung, deren Abfolge den Spektralfarben entspricht; die kurzen Wellenlängen (Blautöne) projizieren sich zentripetal zur inneren Randbegrenzung der jeweiligen Ringe, die längeren Wellenlängen (Rottöne) zentrifugal zur äußeren Randbegrenzung.

Wenn mit farbig gefiltertem Licht gearbeitet wird, verändert sich die Position der Ringe in Abhängigkeit des vorherrschenden Spektralbereiches. Bei kurzwelligem Licht rücken die Ringe enger zusammen und zeigen einen tendenziell kleineren Durchmesser, bei langwelligem Licht erhöht sich der Abstand der Ringe bei leicht zunehmendem Durchmesser. Bei Beleuchtung mit streng monochromatischem Licht treten die Ringe wesentlich deutlicher hervor und zeigen schmalere Randbegrenzungen.

Beide Arten von Ringartefakten, d. h. die konstanten und veränderlichen Ringfiguren, können durch Fotografie des Sucherbildes mittels einer geeigneten externen Kompaktkamera gut dokumentiert werden. Die erhältlichen Aufnahmen sind weitgehend identisch mit Artefakt-behafteten Mikrofotos, welche unter Verwendung von digitalen Kompaktkameras beispielsweise aus der Nikon-Coolpix-Serie erstellt und vielfach von anderen Autoren veröffentlicht wurden.

Korrespondierende Mikrofotos, welche unter Verwendung des Leica-Objektives mit der digitalen Spiegelreflexkamera selbst aufgenommen werden, sind frei von jeglichen Artefakten (siehe Abbildung unten!).


 

Artefaktfreie Aufnahme des vorstehend abgebildeten Blutausstriches,
Hellfeld, Objektiv 40x, Okular 10x, Aperturblende geschlossen,
randbildende Sehfeldbegrenzungen in den Bildecken

 

Neben den bisher beschriebenen kameragebundenen Artefakten können in besonderen Situationen auch objektgebundene Artefakte entstehen, wenn dünne transparente Strukturen wechselnder Schichtdicke bei Auflichtbeleuchtung betrachtet werden.

Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft Ringmuster in Erythrozyten eines ungefärbten Blutausstriches unter spezieller Auflichtbeleuchtung (Reflexionskontrast) bei unterschiedlichen Wellenlängen. Auch diese Ringfiguren sind bereits bei ungefiltertem Beleuchtungslicht sichtbar und kommen im monochromatischen Licht kontrastreicher und schmalrandiger zur Darstellung. Größe und Lage der Ringe variieren auch hier in Abhängigkeit von der verwendeten Wellenlänge.

Objektständige Ringartefakte in ungefärbten Erythrocyten (Ausstrichpräparat),
Reflexionskontrast, Objektiv Öl 100x, Okular 10x, Ausschnittsvergrößerung,
links: Monochromatisches Grünlicht (546 nm),
rechts: Monochromatisches Orangelicht (589 nm)

 

 Copyright: Jörg Piper, 2007