Einleitung
Einführung in  
 Kompaktkameras
Technische Grundlagen
Vorteile der 
 Digitalfotografie
Schwarz-Weiss- 
 Digitalfotografie
Praktischer Einsatz  
 von Kompaktkameras
Erprobte Modelle
Bewertung von 
 Kompaktkameras
Einführung in  
 Spiegelreflexkameras
Vor- u. Nachteile v. 
 Spiegelreflexkameras
Adaptation von  
 Spiegelreflexkameras
Erprobung von  
 Spiegelreflexkameras
Bewertung von  
 Spiegelreflexkameras
Verwendung von  
 Elektronenblitzgeräten
Empfehlungen zur  
 Auswahl einer Kamera
Einführung in 
 Stacking-Software
Optische Steigerung 
 der Tiefenschärfe
Funktionsweise von 
 Stacking-Software
Erprobte Programme
Ergebnisse der  
 Software-Tests
Bewertung der  
 Stacking-Software
Einführung in  
 Astro-Filter
Getestete Astro-Filter
Ergebnisse  
 der Filtertests
Bewertung  
 der Astro-Filter
Einführung in  
 Ringartefakte
Beschreibung der 
 Ringartefakte
Physikalische Aspekte  
 von Ringartefakten
Schlussfolgerungen  
 über Ringartefakte
Großflächige Objekte
Literatur,  
 Quellennachweis
Eigene Publikationen 
 zur Mikroskopie
Links
Impressum, Kontakt
Einführung in Kompaktkameras

Zur Zeit der analogen Fotografie hatten alle namhaften Hersteller mikroskopischer Geräte verschiedene systemkonforme Komponenten entwickelt, um analoge Kameras an Mikroskope zu adaptieren. Am gebräuchlichsten waren Vorrichtungen zur Adaptation von Kleinbildkameras (Filmformat 24 x 36 mm); zusätzlich existierten auch Module zur Verwendung von Polaroid-Kameras, Mittel- und Großformat-Kameras. Auf diese Weise war die Möglichkeit gegeben, eine analoge Kamera, die i. d. R. auch für andere fotografische Zwecke nutzbar war, bei Bedarf für Mikrofotografie einzusetzen. Die folgende Abbildung zeigt zwei historische Beispiele einer Adaptation von Leica-M-Kameras an einem Trinokulartubus (Quelle: Anleitung Belichtungsmesser Microsix-L, Druckschrift der Ernst Leitz Wetzlar GmbH, 1968).

Neben diesen nach dem Baukastenprinzip konzipierten Modulen existierten auch spezielle fotografische Apparaturen, die ausschließlich zur Verwendung am Mikroskop vorgesehen waren und für sonstige fotografische Aufgabenstellungen nicht eingesetzt werden konnten. Diese Apparate boten ggf. einen vermehrten Komfort in ihrer Handhabung; die erhältlichen Bildresultate waren jedoch qualitativ vergleichbar, da identisches Filmmaterial verwendet wurde und die abbildende und beleuchtende Optik identisch war. Als historisches Beispiel einer solchen Apparatur soll die Aufsatz-Systemkamera Leitz Vario-Orthomat gezeigt werden. Diese bestand aus einem zentralen Aufsatzmodul mit integriertem Verschluss, auf welches Filmtransporter für Kleinbildfilm oder Aufsätze für Sofortbilder (Polaroid) bzw. Großbildfilm montiert werden konnten (Quelle: Prospekt “Leitz Vario-Orthomat”, Ernst Leitz Wetzlar GmbH, 1980).


Im Hinblick auf die digitale Mikrofotografie wurden bislang vergleichbare Adaptationen zur Verwendung handelsüblicher Digitalkameras seitens der maßgeblichen Hersteller nicht bzw. nur in geringer Bandbreite realisiert. In diesem Segment dominieren spezielle digitale Kameraaufsätze, welche entsprechend ihrem früheren analogen Pendant nur am Mikroskop verwendbar sind und unter wirtschaftlichem Aspekt in einem deutlich höheren Preissegment liegen als digitale Kompakt- oder Spiegelreflexkameras für den Consumer-Bereich.
 

 

Die nebenstehende Abbildung zeigt exemplarisch eine digitale Aufsatzkamera der Jenoptik Jena GmbH, entnommen einer Werbeanzeige aus “Microscopy and Analysis”, September 2006, stellvertretend für diverse Aufsatzmodule, welche nach vergleichbarem Konstruktionsprinzip von verschiedenen Herstellern angeboten werden.

Andererseits sind die heutzutage erhältlichen Digitalkameras hinsichtlich ihrer Chiptechnologie und optischen Qualität so ausgereift, dass sie früheren analogen Kameras nicht nachstehen. Darüber hinaus bietet eine digitale Fotodokumentation unter verschiedenen Aspekten der Praktikabilität handfeste Vorteile im Vergleich zur analogen Fotografie (vgl. Einleitung).



 

Unter diesen Aspekten erscheint wünschenswert, Digitalkameras auch zur Mikrofotografie einsetzen zu können, sofern die erhältlichen Ergebnisse denen der analogen Fotografie vergleichbar sind. Im folgenden sollen daher verschiedene Varianten solcher Kameraverwendungen vorgestellt werden, die sich in der alltäglichen Praxis bewährt haben. Die konkret dargelegten Realisationsbeispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie sollen lediglich exemplarisch die aktuell bestehenden Möglichkeiten verdeutlichen.

Unter digitalen Kompaktkameras sollen in diesem Beitrag solche Kameras verstanden werden, bei denen sich das Objektiv, meist eine Zoom-Optik, nicht entfernen lässt. Im Unterschied zu einer Spiegelreflex-Kamera können diese Kameras daher nur unter Beibehaltung ihres Objektivs an einem Mikroskop adaptiert werden.

Auf dem Markt dominieren zahlenmäßig in diesem Segment Kameramodelle, bei denen herstellerseitig ein Schwerpunkt auf kompakte Abmessungen, geringes Gewicht und einfache Bedienbarkeit gelegt wurde. Gerade solche Kameras müssen im Hinblick auf eine Verwendbarkeit an einem Mikroskop ausgiebig getestet werden, da sie nicht in allen Fällen mit der Optik des Mikroskopes kompatibel sind und mitunter grundlegend wichtige manuelle Einstellungen nicht vorgenommen werden können.

In kleinerer Modellvielfalt existieren auch Kameras mit fest integrierter Zoom-Optik, welche hinsichtlich  Chipauslegung und Funktionsvielfalt mit Spiegelreflexkameras in etwa vergleichbar sind. Diese Kameras sollen als “All in One”-Kameras die Kluft zwischen kleinen Kompakt- und weniger handlichen Spiegelreflex-Kameras überbrücken und werden daher als “Bridge-Kameras” bezeichnet. Sofern die jeweilige Optik einer solchen Bridge-Kamera mit der Optik des Mikroskopes harmoniert, versprechen diese Kameras an einem Mikroskop gute Anwendungserfolge. An dieser Stelle soll bereits vorweggenommen werden, dass sich ein bedeutender Vorteil gegenüber einer Spiegelreflex-Kamera daraus ergibt, dass Kompakt- und Bridge-Kameras in aller Regel völlig erschütterungsfrei auslösen, so dass potenzielle Verwacklungsunschärfen beim Auslösevorgang entfallen.

Konkret geht diese Darstellung auf die folgenden praktisch erprobten Kompaktkameras ein, die sich unter vielen sonstigen Kameras als brauchbar erweisen haben:
Canon Powershot A 95, S 70, S 80
Casio Exilim EX-Z 110
Olympus Camedia C-7070 (als Vertreter einer Bridge-Kamera).

An späterer Stelle wird hernach auch auf die Verwendung von digitalen Spiegelreflexkameras der Canon EOS-Familie eingegangen.

Die vorerwähnten Kameras können jeweils mit überschaubarem technischem Aufwand am Fototubus eines Mikroskopes montiert werden; Einzelheiten zur Adaptation werden in den Folgekapiteln beschrieben.
 

         Adaptations-Beispiele von Digitalkameras
         a: Canon EOS 350D mit Winkelsucher und Leica-Festbrennweite, montiert an einem Leica-Fotookular 10x
         b: Olympus Camedia C-7070, montiert an einem Leitz/Leica Vario-Okular 5x -12x
         c: Canon Powershot A 95 mit Promicron-Okular 10x und Promicron-Kameraadapter

 Copyright: Jörg Piper, 2007