Einleitung
Einführung in  
 Kompaktkameras
Technische Grundlagen
Vorteile der 
 Digitalfotografie
Schwarz-Weiss- 
 Digitalfotografie
Praktischer Einsatz  
 von Kompaktkameras
Erprobte Modelle
Bewertung von 
 Kompaktkameras
Einführung in  
 Spiegelreflexkameras
Vor- u. Nachteile v. 
 Spiegelreflexkameras
Adaptation von  
 Spiegelreflexkameras
Erprobung von  
 Spiegelreflexkameras
Bewertung von  
 Spiegelreflexkameras
Verwendung von  
 Elektronenblitzgeräten
Empfehlungen zur  
 Auswahl einer Kamera
Einführung in 
 Stacking-Software
Optische Steigerung 
 der Tiefenschärfe
Funktionsweise von 
 Stacking-Software
Erprobte Programme
Ergebnisse der  
 Software-Tests
Bewertung der  
 Stacking-Software
Einführung in  
 Astro-Filter
Getestete Astro-Filter
Ergebnisse  
 der Filtertests
Bewertung  
 der Astro-Filter
Einführung in  
 Ringartefakte
Beschreibung der 
 Ringartefakte
Physikalische Aspekte  
 von Ringartefakten
Schlussfolgerungen  
 über Ringartefakte
Großflächige Objekte
Literatur,  
 Quellennachweis
Eigene Publikationen 
 zur Mikroskopie
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Erprobung von Spiegelreflexkameras

In der Praxis hervorragend bewährt hat sich als digitale Spiegelreflex-Kamera die Canon EOS 350 D und mit gewissen Einschränkungen (höheres Gewicht, weniger weicher Verschluss) auch die Canon EOS 20 D. Beide Kameras verfügen über nahezu identische Sensoren mit rund 8 Megapixel Auflösung. Die Chips beider Kameras zählen zu den rauschärmsten Konstruktionen, die z. Zt. erhältlich sind. Der ISO-Bereich lässt sich bei der EOS 350 D bis auf 1600 ASA, bei der EOS 20 D bis 3200 ASA erhöhen. Das Bildrauschen liegt bei diesen hohen ISO-Werten in einem Bereich, der einer Kompakt- oder Bridge-Kamera bei ISO 200 - 400 vergleichbar ist.

Beide Kameras verfügen über Spiegelvorauslösung und erschütterungsfreie Fernauslösung. Zusätzlich ist eine PC-gesteuerte Fernauslösung mittels Capture-Software möglich, welche herstellerseitig mitgeliefert wird. Die Schärfe kann über den Sucher dieser Kameras jeweils mit hinreichender Genauigkeit fokussiert werden. Unter Aspekten der Ergonomie und Fokussierpräzision empfiehlt sich jedoch die Verwendung eines Winkelsuchers. Dieser ermöglicht eine 2,5-fache Vergrößerung des Sucherbildes, weshalb feine Bilddetails mit deutlich höhererer Genauigkeit fokussiert werden können. Auch bei diesen Kameras lässt sich bei vorhandenem binokularem Fototubus ein Schärfeabgleich realisieren, so dass das Kamerabild automatisch über den binokularen Tubus fokussiert werden kann. 

Sehr gute Erfahrungen hinsichtlich Adaptation dieser Kameras konnten mit Leica-Festbrennweiten gesammelt werden, die über die bereits erwähnten Bajonett-Adapter (z. B. von Fa. Novoflex) unter Gewährleistung korrekter Auflagemaße ohne Einschränkungen verwendet werden können.

In das Filtergewinde des jeweiligen Leica-Objektives wird unter Verwendung eines Filter-Adapters zum Ausgleich der Gewindedurchmesser vorzugsweise ein 58 mm-Promicron-Adapterring eingeschraubt, der mit dem jeweiligen Foto-Okular (z. B. 10-faches Brillenträger-Okular oder Vario-Okular) verbunden wird. Die Kamera liegt folgerichtig mit ihrem jeweiligen Objektiv direkt dem Foto-Okular auf.

Hervorragende Qualitäten liefert bei dieser Montur das Leica-Summicron 35 mm. Dieses Objektiv zählt zu den bestkorrigierten Objektiven des Leica-Sortimentes. Bei Kombination mit einem Foto-Okular der Sehfeldzahl 18 fallen die Bildecken mit der Randbegrenzung des mikroskopischen Gesichtsfeldes zusammen, weshalb das volle Sehfeld fotografisch genutzt werden kann. Bei Verwendung entsprechend korrigierter Planoptiken lassen sich auch im Randbereich des Bildes noch brauchbare Ergebnisse erzielen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, aufgrund gegebener Vergrößerungsreserven den Bildausschnitt am PC mittels entsprechender Bildbearbeitungs-Software im Nachhinein zu verkleinern und den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

Alternativ kann anstelle eines 35 mm-Objektives mit ebenfalls hervorragender Qualität ein Objektiv mit 50 oder 60 mm Festbrennweite verwendet werden (vorzugsweise Leica Summilux 50 mm oder Macro-Elmarit 60 mm). Diese Objektive bilden etwa die zentralen 2/3 des Gesichtsfeldes ab, so dass potentielle Randunschärfen ausgeblendet werden. Diese Bildausschnitte entsprechen denjenigen Ausschnitten, die auch von analogen mikrofotografischen Apparaturen üblicherweise berücksichtigt werden. Mittels manueller Schärfefokussierung am kameraseitigen Objektiv kann eine Feinabstimmung zwecks Schärfeabgleich mit dem binokular beobachtbaren Bild gewährleistet werden.

Über vorhandene Blitzkontakte können mit diesen Spiegelreflex-Kameras auch externe Elektronenblitze gezündet werden.

Grundsätzlich können alle digitalen Spiegelreflexgehäuse der Firma Canon am Mikroskop gut verwendet werden. Die EOS 350 D bietet, wenngleich die preiswerteste Kamera, zwei handfeste Vorteile:

Konstruktionsbedingt hat sie von allen Kameras das geringste Eigengewicht und den erschütterungsärmsten Auslöser (technische Bestätigung seitens Firma Canon wurde eingeholt).

Eine weitestgehend erschütterungsfreie Bildauslösung lässt sich nach eigener Erfahrung mit diesen Kameras realisieren, wenn sie an 10-fach vergrößernden Brillenträger-Okularen adaptiert werden und die Auflage dieser Okulare tubusseitig mit einem Gummiring passenden Durchmessers abgefedert wird. Offensichtlich reduziert die geringe Auflagefläche eines solchen Foto-Okulars die Übertragung von Erschütterungen wesentlich.

Werden diese Kameras hingegen mit Vario-Okularen fest verschraubt oder unter Verwendung spezieller optischer Systeme von Fremdherstellern eingesetzt, die direkt in den Tubusstutzen geschoben werden, ergeben sich deutlich höhere Erschütterungsgefahren, auch dann, wenn diese Optiken mit Gummipufferungen nachgerüstet werden. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass bei diesen Konstruktionen die Gesamtheit der schwingenden Masse wesentlich höher liegt und auch die Auflageflächen deutlich größer sind.

Es ist bekannt, dass das Ausmaß sichtbarer auslösungsbedingter Restunschärfen von der Belichtungszeit abhängig ist. Bei Belichtungszeiten unter etwa 1/15-Sekunde sind in aller Regel keine Verwacklungsunschärfen erkennbar, bei sehr kurzen Verschlusszeiten oberhalb von 1/500-Sekunde bestehen in der Regel auch keine erkennbaren Verwacklungsunschärfen mehr. Kritisch bleibt der Belichtungsbereich von etwa 1/30- bis 1/250-Sekunde, vor allem bei mittleren und hohen Vergrößerungen.

Vollständig eliminiert sind sämtliche auslösebezogenen Erschütterungsunschärfen, wenn ein Elektronenblitz verwendet wird. Daher soll auf diese Möglichkeit der Bildbelichtung in einem separaten Kapitel gesondert eingegangen werden.

 Copyright: Jörg Piper, 2007