Einleitung
Einführung in  
 Kompaktkameras
Technische Grundlagen
Vorteile der 
 Digitalfotografie
Schwarz-Weiss- 
 Digitalfotografie
Praktischer Einsatz  
 von Kompaktkameras
Erprobte Modelle
Bewertung von 
 Kompaktkameras
Einführung in  
 Spiegelreflexkameras
Vor- u. Nachteile v. 
 Spiegelreflexkameras
Adaptation von  
 Spiegelreflexkameras
Erprobung von  
 Spiegelreflexkameras
Bewertung von  
 Spiegelreflexkameras
Verwendung von  
 Elektronenblitzgeräten
Empfehlungen zur  
 Auswahl einer Kamera
Einführung in 
 Stacking-Software
Optische Steigerung 
 der Tiefenschärfe
Funktionsweise von 
 Stacking-Software
Erprobte Programme
Ergebnisse der  
 Software-Tests
Bewertung der  
 Stacking-Software
Einführung in  
 Astro-Filter
Getestete Astro-Filter
Ergebnisse  
 der Filtertests
Bewertung  
 der Astro-Filter
Einführung in  
 Ringartefakte
Beschreibung der 
 Ringartefakte
Physikalische Aspekte  
 von Ringartefakten
Schlussfolgerungen  
 über Ringartefakte
Großflächige Objekte
Literatur,  
 Quellennachweis
Eigene Publikationen 
 zur Mikroskopie
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Vorteile der Digitalfotografie

Wenn die vorbeschriebenen potenziellen technischen Schwierigkeiten einer Kameraadaptation überwunden sind, erschließen sich bei Verwendung einer Digitalkamera verschiedene handfeste Vorteile im Vergleich zur analogen Mikrofotografie.

Zunächst ist evident, dass die mikroskopische Aufnahme direkt und unmittelbar zur Verfügung steht, wobei auch der Erfolg der jeweiligen Aufnahme direkt nach Auslösen des Bildes beurteilt werden kann. Diese direkte Verfügbarkeit ist von hoher praktischer Relevanz. Sollte eine Aufnahme misslungen oder nicht optimal sein, können in gleicher Sitzung seriell Aufnahmen mit veränderten Aufnahmeparametern erstellt werden, bis das Optimum realisiert ist.

Die Lichtempfindlichkeit einer Digitalkamera (ISO-Zahl) kann für jedes Objekt und jede Beleuchtungssituation den individuellen Gegebenheiten angepasst werden, wobei moderne Kameras in der Regel ISO-Bereiche zwischen ISO 100 und ISO 1600 oder ISO 3200 abdecken. Unter der Voraussetzung eines qualitativ hochwertigen Chips mit geringem Hintergrundrauschen kann die Verwendung solch hoher ISO-Werte durchaus zu brauchbaren Ergebnissen führen und von Vorteil sein, wenn bei bestimmten Beleuchtungsarten wenig Licht zur Verfügung steht (z.B. Fluoreszenz, Dunkelfeld, Polarisation). Auch kann durch adäquate Erhöhung der ISO-Zahl eine Verkürzung der Belichtungszeit erreicht werden, wodurch Bewegungsunschärfen verringert werden können. Dies ist vor allem von Wert, wenn kein Elektronenblitz zur Verfügung steht oder die Helligkeit für eine Blitzlicht-Belichtung nicht ausreicht.

Die meisten Digitalkameras verfügen über ausgereifte Möglichkeiten eines automatischen oder manuell anpassbaren Weißabgleichs, weshalb auf die Verwendung von Conversionsfiltern verzichtet werden kann.

Mit Hilfe der üblicherweise vorhandenen Bildbearbeitungs-Software kann die Qualität des mikroskopischen Fotos bei Erfordernis durch sog. Post-Processing wesentlich verbessert werden (Optimierung von Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung, Farbton, Schärfe, Gradationskurve bzw. Histogramm, Retouchierung von störenden Elementen wie Staubpartikeln, Luftblasen etc.). Durch eine sachgerechte Bildnachbearbeitung, z.B. eine angemessene Aufhellung oder Kontrastanhebung, kann die Aussagekraft eines mikroskopischen Bildes im Einzelfall wesentlich verbessert werden.

Steigerung der Bildinformation durch Postprocessing (Veränderung der Gradationskurve)
am Beispiel einer Scharte in einer glatten Polymerschicht (Objektiv 10x, Okular 10x)
a: Konventionelles Hellfeld ohne Bildbearbeitung (Foto: Timm Piper)
b und c: Verbesserte Darstellung der Texturunregelmäßigkeiten (Postprocessing von Bild a)
 

Aus technisch-physikalischen und sinnesphysiologischen Gründen können feine Objektstrukturen in Schwarz-Weiß- oder Monochrom-Techniken ggf. qualitativ besser bzw. deutlicher als in konventionellen Farbbildern dargestellt werden. Unter diesem Aspekt können Digitaltechniken von Vorteil sein, da von einem Objekt sukzessiv in einer Sitzung Dokumentationen in verschiedenen Darstellungsarten realisiert werden können. Bestimmte Digitalkameras erlauben es, ein Bild direkt in Schwarz-Weiß oder anderen monochromen Farbgebungen zu erstellen. Zusätzlich können auch durch Postprocessing vergleichbare Darstellungen erreicht werden.

Verbesserung von Schärfe und Kontrast durch monochrome Aufnahmetechnik (Schwarz-Weiß),
konventionelle Farbaufnahme im Glühlampenlicht (links), Schwarz-Weiß-Aufnahme in monochromatischem Grünlicht (rechts)
Objekt: Bacillus megatherium, fixiert mit Osmium-Tetroxid, Einbettung in Rhenohistol
Objektiv Plan Apo Öl 100x, Okular 12,5 x, Phasenkontrast
 

In speziellen Anwendungsbereichen, beispielsweise der Hämato-Onkologie, Histo- und Cytopathologie, können digital dokumentierte mikroskopische Befunde bei Bedarf in pathologische Befundberichte und sonstige Arztbriefe integriert werden (Verbesserung des medizinischen Berichtswesens). Sofern im schwierigen Einzelfall Befunde unsicher einzuordnen sind, können digitale Mikrofotos grundsätzlich auch auf unkomplizierte Weise für Diskussionen in telemedizinischen Konferenzen verwendet werden.

Außerhalb des Spiegelreflex-Segmentes ist die Mehrzahl der handelsüblichen Digitalkameras mittlerweile auch in der Lage, in passablen Qualitäten, welche der Fernsehnorm entsprechen oder nahe kommen, Video-Clips zu drehen. Daher können bei Verwendung einer solchen Digitalkamera am Mikroskop auch Bewegungsabläufe in mittlerweile recht guter Qualität auf schnelle und unkomplizierte Weise dokumentiert und analysiert werden.

Schließlich können beispielsweise für Lehr- oder Demonstrationszwecke erstellte digitale Mikrofotos und Video-Clips mittels Beamer oder Fernseh-Monitoren in technisch unkomplizierter Weise präsentiert werden.

 Copyright: Jörg Piper, 2007